Flaschen sammeln für den Lebensunterhalt

MDR-Mediathek...

 

Sechzehn Uhr bei Klaus Weigerts Zuhause. Schichtbeginn. Klaus Weigerts ist arbeitslos und bekommt Hartz Vier. Das bessert er mit Pfandsammeln auf, seinem Beruf, wie der Sechsundfünfzigjährige sagt. Sieben Tage die Woche macht er sich auf die Pirsch. Die ersten Cent verdient. Sein Ziel ist das Leipziger Zentral-Stadion. Dreißigtausend Fans werden hier heute erwartet. Warmes Wetter, durstig Zuschauer, eigentlich ideale Voraussetzungen. Am Eingang müssen die Fans ihre Flaschen abgeben. Klaus hofft das er die Container nach Spielbeginn leeren darf. Mit freundlichen ruhigen Fragen ist Klaus Weigerts bisher immer ans Ziel gekommen. Also schlägt er neben dem Einlass sein Basislager auf. In einer Stunde ist Anpfiff und Klaus Weigert kann an die Container. Der Weilen entgeht seinem Blick keine Flasche, selbst wenn sie sich bewegt. Mittlerweile sind schon einige Taschen randvoll. Sein Name füllt sich, teilweise von ganz allein. Angst das jemand ein Leergut klaut hat er nicht, das regelt eine Art Ehrenkodex. Solche Regeln sind wichtig, denn über dreihundert Pfandsammler gibt es bereits in Leipzig, schätzt Klaus, so wie diese Zweiundsechzigjährige die auch arbeitslos ist. Inzwischen läuft das Spiel und Klaus darf an die Tonnen, vorerst alleine. Dieser junge Pfandsammler hofft das auch etwas für ihn übrig bleibt. Klaus will vor allem Plastikflaschen abgeben, die mehr Geld einbringen. Die schweren Bierflaschen schenkt er seinen Kollegen. Heute ist sein Glückstag. Klaus bekommt Hartz Vier zu DDR Zeiten war der Facharbeiter für Emailletechnik. Nach der Wende wechselten die Jobs. Seit vier Jahren ist er Arbeitslos und geht sammeln. Zweiundfünfzig Euro waren es heute. Rekord! Normalerweise sind es um die 20 Euro. Am nächsten Abend Treffen wir Klaus beim Melt Festival Gräfenhainichen. Von einem Kollegen hat er den Tipp bekommen, dass man hier wegen des Wachdienstes lieber nachts sammeln sollte. Doch wie kommt er überhaupt auf das Gelände. Das hier ist Neuland fuer ihn. Stundenlang irrt er umher, biss er ein Bändchen finden mit dem ein am Eingang vorbei kommt. Am nächsten Vormittag ist er noch immer auf den Beinen. Die Nachtschicht hat geschlaucht. Inzwischen hat er ein Zelt gefunden. Zum Schlafen ist das nichts. Klaus ist am Ende seiner Kräfte. Ein letztes mal läuft er den Parkplatz ab. Plötzlich gibt es Stress. Platzverweis durch die Security. Es ist schon seine dritte Verwarnung. Anders als am Stadion, kennt er die Wachleute hier nicht. Ob er sein Zelt wieder bekommt? Schließlich lässt die Securityfrau doch noch einen Schatz bergen. Ein letzter Kraftakt. Mehrere Busfahrten später hat der sechsundfünfzigjährige sein Beute zum Supermarkt gewuchtet. Sein verdienst nach dreißig Stunden Sammeln, 100 Euro, steuerfrei.

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